Ausstellung

Genius Loci - Vom (guten) Geist des Raumes

GENIUS LOCI – Vom (guten) Geist des Raumes.
Kunst und Design aus Dänemark
Vernissage: Sonntag, 10. September, 11.30 Uhr

Ausstellungszeitraum: 10. September – 15. Oktober 2017
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sontag, 11 bis 17 Uhr
Eintritt: 3 Euro / erm. 1,50 Euro, Schüler haben freien Eintritt

Anlässlich ihres Jubiläums beleuchtet die Drostei erstmals die zeitgenössische Kunst-und Designszene aus Dänemark.
Erörtert und hinterfragt wird der Raum als Quelle der Inspiration, sowohl exemplarisch, in der Barock Architektur der Drostei, als auch grundsätzlich methodisch, d.h. wie beeinflusst ein Ort die Kreativität und schöpferische Identität. Wie interaktiv sind Spirit & Space? Wo herrscht der (gute) Geist, der GENIUS LOCI?

Aus Anlass des Jubiläums sind dänische KünstlerInnen aus den Sparten Bildende Kunst und Design eingeladen, die Drostei als Ausstellungsort zu bespielen.
In der römischen Mythologie bezeichnete der GENIUS LOCI die Schutzgottheit eines Ortes oder eines Tempels, der auf Menschen und Orte positiv wirkte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo der GENIUS LOCI heute in Zeiten der Globalisierung zu finden ist, ob in virtuellen, realen, kollektiven Räumen, im Rückzugsraum des Privaten, im öffentlichen, urbanen oder natürlichen Raum einer gewachsenen Landschaft.
Kuratorin: Dr. Barbara Aust-Wegemund
ahc projects www.arthistoryconsulting.de

KünstlerInnen:
Ivan Andersen (Malerei), Claus Bjerre (Design), Nynne Faerch & Majken Mann (Design),
Lise Harlev (Concept Art), Tine Bay Lührssen (Installation), Mads Dahl Pedersen (Malerei), Kirsten Schauser (Malerei), Hartmut Stockter (Installation), Ole Terslose (Computer/ Multimedia).
Ivan Andersen, geboren 1968, erforscht Oberflächen im Raum, indem er sie dekonstruiert und in ungewohntem Kontext wieder zusammenfügt. Der Maler lebt und arbeitet in Kopenhagen und studierte an der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen. Grundthema seiner Bildschöpfungen ist das Verhältnis von Perspektiven, Sichtbarem und Unsichtbarem, Tiefe und Oberfläche. Andersens Konstruktionen von schrägen Winkelverhältnissen und Richtungsverläufen ziehen den Betrachter zunächst in den Bildraum, um ihn, von falschen Erwartungen geleitet, orientierungslos im Bildraum, in A votre sanitaire oder einem urbanen Raum, zurücklassen.

Claus Bjerre, Jahrgang 1972, gehört zur Riege der international bekannten dänischen Möbel Designer. Er studierte an der Hochschule für Kunst und Design Helsinki sowie der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen. In einer humoristisch, experimentellen Designsprache interpretiert Claus Bjerre den Raum neu. Ausgangspunkt für Autumn Leaves ist die Idee, sich Kinder vorzustellen, die im Herbst das Laub zusammenfegen. Claus Bjerres Herbstblätter aus Filz bilden einen bunten Blätterhaufen zum Sitzen, ein kleines variables Sitzmöbel. Claus Bjerre ist Kurator der Factory of Art and Design Kopenhagen und Mitherausgeber des Designmagazins Kunststuff der Danish Arts and Crafts Assoziation.

Die bekannten Designerinnen Nynne Faerch und Majken Mann, beide Jahrgang 1972, kommen von der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen. Mit ihren textilen Design Objekten, die u.a. im National Design Museum von New York City gezeigt wurden, gehören sie zu den wenigen ausgezeichneten Designerinnen, die das britische Wallpaper Magazin zu den “15 most wanted” gekürt hat. Gemeinsam wurden zahlreiche internationale Designprojekte realisiert, wie RUGchair, der Hocker und Teppich in einem ist oder die runden SPOT Rugs. Der Schwerpunkt ihrer kreativen Arbeit liegt auf Interieur-, Möbel und Textildesign. Die Verwendung natürlicher Materialien, wie Wolle, Filz und Holz sowie eine klare puristische Formensprache charakterisieren das Werk des anerkannten Designer Duos.

Lise Harlev, die in Berlin lebt und arbeitet, untersucht den öffentlichen Raum und die Bildung einer Identität. Entscheidend sind die Faktoren, die dazu beitragen, ein Identitätsgefühl aufzubauen, sei es die Nationalität, intime Beziehungen oder politische Ansichten. Die Künstlerin arbeitet konzeptionell in unterschiedlichen Formen, wie Siebdruck, Emaille, Glasmalerei und Fotografie, wobei immer auf eine ästhetisch grafische Gestaltung geachtet wird, wie in der Arbeit The way they act, in der ein Finanzamt Flur in Berlin dargestellt ist. Die konstruktiv-sachliche Formensprache spiegelt das kühle Innere der Behörde und provoziert diffuse Ängste der Antragstellerin. Lise Harlev, 1973 geboren, studierte an der Städelschule Frankfurt am Main sowie der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen.

Tine Bay Lührssen, geboren 1973, studierte an der Kunsthojskolen Holbæk und an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Die Künstlerin installiert drei Arbeiten, Kästen auf Sockeln, Focusing Something, Searching und Paradiso, die ortsbezogen, d.h. für die barocken Räume der Drostei konzipiert sind. Jeder der Kästen beherbergt en miniature ein Gedankenspiel und geht auf die wesentlichen Gestaltungsmerkmale des Barocks ein. Die kleine Tonfigur in Focusing Something richtet den Blick auf ein Ornament aus Spitze, das sich am Holzspieß um die eigene Achse zu drehen scheint. Der fokussierende Blick auf das Ornament als bewusst ausgeführte Handlung und Grundlage für differenziertes, präzises Erfassen – aber auch im übertragenen Sinne die starke Gegenüberstellung von Mensch und Ornament, das im Barock Einzug erhielt, sind Kern dieser Arbeit.

Naturräume und Strukturen erforscht Mads Dahl Pedersen (geb. 1970), der an der Kunstakademie Arhus studierte. Schicht um Schicht baut der Maler, der heute in Blankenburg im Harz lebt, Wahrnehmungsräume auf, in denen sich wuchernde Farbflächen, Blütenranken, Verästelungen, Strukturen überlagern und sich zu einem Flechtwerk, einem Bildorganismus verbinden. Die Serie, die der Künstler ganz lakonisch Nature Hand Made nennt, verdeutlicht die Weite des Raumes und immerwährende Unermeßlichkeit der Natur.

Kirsten Schauser, geboren 1964, lebt und arbeitet in Kopenhagen. Die Schülerin von Professor Henrik B. Andersen studierte in Kopenhagen an der Kunstschule und Spektrum Art School. Kirsten Schauser, die in Veterinärmedizin promoviert hat, ist Mitglied im Dänischen Verband der Bildenden Künstler (BFK). In den Serien Identity und Relation porträtiert die Künstlerin Menschen aus der Vogelperspektive. Dabei untersucht sie den Raum und die Identität des Einzelnen und beschäftigt sich mit der Frage, wie wir uns selbst reflektieren und uns von anderen absetzen. Die Beziehungen zwischen Menschen, Raum, Realität und Illusion schaffen Spannungsraume, Verstörung, Vertrautheit und Distanz gleichermaßen.

Im Stil eines analytischen Forschers, skurril, hintersinnig und humorvoll erobert Hartmut Stockter den Raum. Auf imaginären Exkursionen, Ausflügen, Streifzügen in die Natur werden Beobachtungen in Skizzenbüchern festgehalten, ebenso die Konstruktionen von Apparaten, die dem Wanderer nützlich sind, wie der Pilzwanderstab oder das Gestell zur Landschaftsverfolgung. Dieses Gestell ist besonders dann nützlich, wenn Räume durchquert werden müssen, deren Schönheit zweifelhaft ist. Der vorgestellte Apparat, der mit Schultergurten und Riemen zu tragen ist, hält ein Gemälde an einer Aluminiumkonstruktion bereit. So ist der Blick des Fußgängers, selbst in einer industriellen Zone, immer auf das Gemälde, d.h. das Bild einer romantischen Landschaft gerichtet. Hartmut Stockter (geboren 1973) lebt und arbeitet in Kopenhagen. Er studierte an der Fachhochschule Hannover und an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig in der Meisterklasse von Thomas Huber.

Ole Terslose, geboren 1971, studierte an der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen. In den Computergenerierten Bildern, welche die Grenzen zwischen Raum, Realität und Illusion sprengen, entstehen bizarre, gleichsam verstörend schöne Szenen. Im scheinbaren Paradies der Flower Children wird meditiert. Doch das Paradies entpuppt sich als unsichere Spielwiese, wenn die Kinder sich im Blütenkopf verstecken oder von überdimensional großen Blättern erdrückt werden. Der gute Geist des Raumes ist abwesend. Gibt es noch Sicherheit? Oder ist alles Täuschung? Der erste Blick des Betrachters mag fotografische Vorlagen vermuten, tatsächlich entstehen die Werke am Computer, die ebenso wie die 3-D Skulpturen, eine Transformation von Kunst und Design eingehen.